Benzin vs. Autogas – mit Blick auf den Fahrzeugwert

Verbrennungsmotoren werden normalerweise mit einem flüssigen Treibstoff betrieben, der im einfachen Blech- oder Plastiktank mitgeführt wird. Für Ottomotoren gibt ist das Benzin in verschiedenen Qualitäten. In Deutschland ist Benzin mit einer recht hohen Mineralölsteuer beaufschlagt. Beim Erwerb hinzu kommt auch noch die Mehrwertsteuer. Der gesamte staatliche Anteil an den Kraftstoffkosten beträgt derzeit laut AvD bei einen Gesamtpreis von 1,55 Euro für Benzin rund 90,7 Cent.

Alternativ funktioniert der Ottomotor auch mit speziellem Autogas. Das ist interessant, denn im Vergleich zum Benzin hat es einen deutlichen Steuervorteil und geringeren Preis. Die staatliche Förderung dieses alternativen Kraftstoffs läuft noch bis Ende 2022. Der Steuervorteil liegt bei 15 Cent je Liter und der Literpreis selbst liegt derzeit zwischen 50 und 60 Cent. Begründet wird der staatliche Anreiz mit einer umweltfreundlicheren Verbrennung von Autogas. Mit 7.000 Autogas-Tankstellen bundesweit und über 40.000 Tankstellen in Europa verfügt die Flüssiggaswirtschaft über ein flächendeckendes Netz.

Einbau einer Autogasanlage

Autogas (LPG) ist ein variables Flüssiggas-Gemisch, was hauptsächlich aus Butan und Propan besteht. Verdichtetes Erdgas (CNG) und heruntergekühltes Flüssigerdgas (LNG) werden nicht als Autogas bezeichnet. Nur wenige Hersteller bieten Neufahrzeuge mit Autogasanlage bereits ab Werk an. Somit muss eine solche Anlage bei Bedarf nachträglich eingebaut werden. Eine Autogasanlage bedeutet dabei einen nicht unerheblichen, dennoch relativ unkomplizierten technischen Eingriff in das Fahrzeug. Hier sollte man mit Kosten zwischen 1.800 und 3.500 Euro für den Einbau und die Anlage rechnen. Teils fördern die Länder den Einbau.

Eine Autogasanlage ist auch immer als Ergänzung zum normalen Benzinantrieb zu sehen, welche die Gesamtreichweite vergrößert. Eine spezielle Steuerung sorgt für die Umschaltung zwischen Benzin und Gas. Bei Raumtemperatur und vergleichsweise geringem Druck wird Autogas flüssig und kann wirtschaftlich transportiert werden. Hierbei sind also druckfeste Tanks für das Flüssiggas erforderlich, welche im KFZ untergebracht werden müssen. Typischerweise werden diese in der Reserveradmulde, im Kofferraum oder auch als Unterflurtanks verbaut und verringern so Stauraum oder auch Bodenfreiheit. Eine LPG-Anlage bringt im leeren Zustand etwa 40 kg auf die Waage und verringert die Zuladung damit nur geringfügig. Für den Betrieb der Anlage ist teils auch die Zugabe eines Additivs erforderlich. Beim Einbau zu beachten wäre auch, dass von Dritten durchgeführte Nachrüstungen zum Verlust von Gewährleistungsansprüchen führen können. Weiterhin ist eine zusätzlich zur Hauptuntersuchung sowie nach jeder Arbeit an der Gasanlage kostenpflichtige Gasanlagenprüfung notwendig.

Wirtschaftlichkeit

Bezogen auf den Liter hat Autogas einen geringeren Brennwert als Benzin. Es muss deshalb mit einem durchschnittlich um 10 bis 25% höheren Literverbrauch gerechnet werden, auch wegen der erhöhten Gesamtmasse. Es sollten immer Betrachtungen zur Amortisation der Investition erfolgen, also alle anfallenden einmaligen als auch die laufenden Kosten. Im Wesentlichen hängt diese vom Verbrauch, den Kosten für die Umrüstung, die jährliche Kilometerleistung, den Kraftstoffpreisen sowie den veränderten Wartungs- und Reparaturkosten ab. Ähnlich wie bei der Gegenüberstellung der Wirtschaftlichkeit von Benzin- und Diesel ist auch bei Autogas eine bestimmte jährliche Fahrtstrecke zu ermitteln. Diese Strecke ist bei Autogas umso kürzer, je höher der ursprüngliche Kraftstoffverbrauch bei Benzin war, je höher der Preisunterschied zwischen Autogas und Benzin ist und natürlich auch je niedriger die Investitions- und Wartungskosten sind.

Betrachtungen zum Fahrzeugwert

Grundlegend hat eine nachträglich verbaute technische Einrichtung ebenso wie das KFZ selbst einen Eigenwert, der sich zum Wert des Fahrzeugs addiert. Dieser wird sich über die Nutzungszeit verringern. Es kann aber mit einer langen Haltbarkeit und dementsprechendem Werterhalt gerechnet werden. Weiterhin läuft der Motor mit Gas deutlich ruhiger, was wiederum einen schonenden Betrieb und somit etwas geringeren Verschleiß vermuten lässt. Auf der anderen Seite werden Fahrzeuge mit Autogasanlage zumeist für Langstrecken genutzt. Hohe Laufleistungen wiederum verringern den Restwert deutlich.

Neben den rein technischen Daten sind weitere eher weiche Argumente zu benennen, die auf den Wert Einfluss haben. So muss mit einem weiteren Anstieg der Benzinpreise gerechnet werden. Eine geringere Umweltbelastung ist sicher auch für manchen ein Argument. Wertmindernd können sich dagegen Bedenken und Ängste bzgl. der Risiken gegenüber einer solchen Anlage auswirken. Auch der verringerte Nutzwert infolge geringerer Zuladung könnte einen negativen Effekt haben. Im Allgemeinen ist davon auszugehen, dass etwa die Hälfte der Investitionskosten für LPG auf den Fahrzeugwert heraufgerechnet werden können. Das sollte bei einer Fahrzeugbewertung berücksichtigt werden.